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Selbsttötungversuch / Suizid

Übersicht

Suizidalität
Suizid
Ursachen und Formen
Statistik
Sonderfall Massensuizid
SuizidpräventionSuizid in Moral und Theologie
Suizidversuch
Zitate
Literatur und Quellen


Suizidalität

Als die Suizidalität, Suizidgefährdung oder umgangssprachlich
Lebensmüdigkeit wird ein psychicher Zustand oder Symptom bezeichnet,
das alle bewussten und unbewussten Gedanken, Phantasien, Impulse und
Handlungen erfasst, die darauf gerichtet sind, den eigenen Tod
herbeizuführen.

Suizidalität ist keine Krankheit, sondern ein Symptom des
zugrundeliegenden Problems, und besteht als Zuspitzung einer seelischen
Entwicklung, in der Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit
überhand genommen haben. Suizidale Menschen erleben sich oft innerlich
zerrissen, d.h. sie stehen ihrem Wunsch zu sterben oft ambivalent
gegenüber. Nachdem sich Suizidalität sehr unterschiedlich äußern - oder
nicht äußern! - kann, ist das Abschätzen der Suizidalität eines Menschen
ein oft schwieriges Unterfangen, vor allem wenn dieser Mensch einer
Behandlung aus welchen Gründen auch immer ablehnend gegenüber steht.
Bei akuter Suizidalität ist demnach auf alle Fälle der Anlass zur
Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik gegeben.
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Suizid

Der Suizid (lateinisch suicidium von sua manu cadere = von eigener Hand fallen), auch Selbsttötung, Selbstentleibung oder Freitod genannt, ist die willentliche Beendigung des eigenen Lebens durch eine selbstbestimmte Handlung oder durch das Unterlassen einer Handlung (z. B. Nichteinnahme lebenswichtiger Medikamente bzw. Nahrungsmittel und/oder Flüssigkeit). Außerdem ist der Begriff Selbstmord üblich, wird jedoch zunehmend vermieden, da das Wort die Selbsttötung ungebührlich in die Nähe des Mordes, also eines Verbrechens, rückt. Es wird deshalb gefordert, diesen Ausdruck mit Rücksicht auf Betroffene und deren Angehörige zu vermeiden.
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Ursachen und Formen

Suizid ist in den meisten Fällen das Symptom einer Depression, einer verwandten psychischen Störung oder anderer schwerer Erkrankungen oder Behinderungen, die der betroffene Mensch nicht mehr länger aushalten möchte. Etwa neunzig Prozent der vollendeten Suizide und etwa sechzig Prozent der Suizidversuche werden von Personen unternommen, bei denen entsprechende Beeinträchtigungen diagnostizierbar sind. Suizide aus anderen Gründen (z. B. als Konsequenz eines "Gesichtsverlustes" oder einer Lebenskrise) sind dagegen relativ selten.

In seltenen Fällen geht einem Suizid die Tötung Dritter (meist Ehepartner, Kinder) voraus; in diesen Fällen spricht man oft von einem erweiterten Suizid. Dieser Begriff ist jedoch umstritten, da die Tötung anderer kein Suizid ist. Auch der Amoklauf ist als spezieller Fall eines "erweiterten" Suizids zu sehen, bei dem oft auch zufällige, dem Täter nicht bekannte Menschen betroffen sind.

Ebenfalls vergleichsweise selten ist der Suizid in Form der Selbstopferung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen (Kamikaze) oder einer Sache dienlich zu sein aufgrund eines echten oder vermeintlichen Mangels an Alternativen (Selbstmordattentäter). Wo genau die Grenze zum selbstgefährdenden oder auch zum selbstverletzenden Verhalten liegt, ist teilweise schwer auszumachen: So handeln Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bei riskanten Autofahrten latent suizidal, aber auch das durchaus nicht seltene Befolgen militärischer, riskanter Befehle in eine nahezu aussichtslose Lage hinein, z. B. in Form von so genannten Himmelfahrtskommandos, kann geradezu "selbst"mörderisch sein.

Mit dem Suizid befassen sich Wissenschaften wie Psychiatrie, Psychologie, Soziologie, Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaft. Daneben gibt es die praktischen Ansätze zur Suizidverhütung und der Betreuung derjenigen, die einen Suizidversuch überlebt haben.

Sprachliches
Häufig wird der Suizid als Selbstmord oder Freitod bezeichnet. Beide Bezeichnungen können jedoch eine moralische Beurteilung in den Begriff bringen: Selbstmord eine tabuisierende und kriminalisierende, Freitod eine heroisierende. Eine neutrale Bezeichnung ist Selbsttötung, eine veraltete, ebenfalls neutrale Bezeichnung Selbstentleibung.

In der wissenschaftlichen Fachsprache und im beruflichen Umgang mit den Betroffenen wird meist das Wort Suizid bevorzugt, in der juristischen Fachsprache häufig der Ausdruck Selbsttötung, der lediglich den Vorgang, nicht die Motive beschreibt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird meist noch Selbstmord verwendet. Das Wort stammt aus einer Zeit, als im deutschen Sprachraum der (versuchte) Suizid noch strafbar und moralisch geächtet war, geprägt vor allem durch die katholische Lehre.

Die Bezeichnung Freitod enthält andererseits den Gedanken der freien Wahl zwischen Leben und Tod. Meistens wird von den Menschen, die einen Suizid beabsichtigen, der eigene Tod jedoch als der einzig mögliche Ausweg gesehen. Die Entscheidungsfreiheit einer suizidalen Person ist in der Regel stark eingeschränkt. Daher wird die Bezeichnung Freitod ebenfalls von vielen Wissenschaftlern abgelehnt. Dem ließe sich indessen entgegenhalten, dass die Freiheit der Entscheidung für den eigenen Tod im tieferen Sinne nicht mehr und nicht weniger problematisch sei, wie die Freiheit jeder anderen Entscheidung auch, sich mit hin die Frage, wie "frei" ein Freitod sei, nicht losgelöst von der sowohl philosophisch als auch naturwissenschaftlich nur sehr schwer zu entscheidenden Frage des freien Willens an sich behandeln ließe.

In der Wissenschaft wird die dauerhafte Einnahme von Alkohol, anderen Drogen, Magersucht oder extreme Fettsucht auch als "Suizid auf Raten" gesehen. Hier wird von einem chronischen Suizid gesprochen. Vergleiche hierzu auch das selbstverletzende Verhalten und die Autoaggression.
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Statistik

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass es weltweit etwa eine Million Suizide pro Jahr gibt und dass 10 bis 20 Mal soviele Suizidversuche scheitern. Die Länder mit der höchsten Suizidrate sind die Volksrepublik China, Kuba, Litauen, Mauritius, Marshall-Inseln, Russland, Slowenien, Sri Lanka und Ungarn.

In der Europäischen Union begehen nach einer Meldung der EU-Kommission aus dem Jahr 2005 jährlich 58.000 Menschen Suizid, wobei die meisten dieser Fälle von Personen begangen werden, die an Depressionen leiden. An anderen Todesursachen führt dieselbe Meldung jährlich 50.700 Verkehrstote und 5.350 Opfer von Gewaltverbrechen an.

Im Durchschnitt sterben in der Bundesrepublik Deutschland jährlich zwischen 11.000 und 12.000 Menschen durch Suizid, wobei zusätzlich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Diese Zahl entspricht ca. 1,3% aller Todesfälle und übersteigt damit die Anzahl der Verkehrstoten bei weitem. In der Altersgruppe der 15- bis 35jährigen ist der Suizid die zweithäufigste Todesursache (nach dem Unfalltod). Drei Viertel aller Suizid Begehenden sind Männer.

Die Zahl ernsthafter Suizidversuche liegt bei ca. 100.000 bis 150.000 (auch hier sind genaue Erkenntnisse aufgrund der hohen Dunkelziffern schwierig), also um den Faktor 10 bis 15 über der der ausgeführten Suizide. Mit anderen Worten: Etwa jeder zehnte Suizidversuch geht tödlich aus. Die Zahl der Suizidversuche ist bei Frauen weit höher als bei Männern.

Laut einem Artikel von Spiegelonline hat der Psychologe Richard Seiden von der Berkeley-Universität 515 Fälle von Menschen untersucht, die gehindert wurden, in suizidaler Absicht von Brücken zu springen. Dabei stellte sich heraus, dass nur sechs Prozent sich später auf andere Weise das Leben nahmen.

Im Jahr 1982 nahmen sich in der Bundesrepublik und der DDR 18.711 Menschen das Leben, während die Zahl im Jahr 2002 bei 11.163 lag. Das heißt, dass die Suizidrate im Zeitraum von 20 Jahren um 40,3% zurückging. Von den 11.163 Suiziden im Jahr 2002 wurden 8.106 (73%) von Männern und 3.057 von Frauen begangen.

Die häufigste Ursache für einen Suizid bzw. Suizidversuch liegt in diagnostizierbaren psychischen Erkrankungen. Ca. 90 - 95% aller Suizide in westlichen Gesellschaften sind hierauf zurückzuführen. Suizid kommt gehäuft vor bei allen Psychosen, vor allem aber bei Depressionen. Suchterkrankungen und chronische Schmerzen spielen ebenfalls eine gewichtige Rolle, haben aber auch fließende Übergänge zur Depression. Den Suizid auslösende Faktoren können dann zwar Lebenskrisen wie die Trennung vom Partner, Versagensängste oder der wirtschaftlichen Ruin sein – als alleiniger Hintergrund eines Suizids kommt dies aber nur in ca. 5–10% der Fälle vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sowohl eine innere wie eine äußere Ursache für eine Depression besteht, d. h. ein für Depressionen empfänglicher Patient wird durch seine Lebensumstände depressiv.

Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben geht davon aus, dass es in Deutschland zahlreiche Patientensuizide gibt.
http://www.who.int/mental_health/prevention/suicide/en/Figures_web0604_table.pdf
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Sonderfall Massensuizid

Die bislang umfangreichste Massenselbsttötung in der Geschichte begingen
am 18. November 1978 in der Siedlung Jonestown im Dschungel Guyanas
911-914 Anhänger der Volkstempler auf Anweisung ihres Führers Jim
Jones. Man geht jedoch davon aus, dass einigen der Opfer die tödliche
Mischung aus Cyanid und Limonade zwangsweise verabreicht wurde.

Die bislang größte bekannte Massenselbsttötung in der deutschen
Geschichte ereignete sich im Mai 1945 in Demmin. Etwa 900 Einwohner
nahmen sich vor und nach dem Einmarsch der Roten Armee das Leben.
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Suizidprävention

Oft wird ein Suizid vorher angekündigt, einschlägige Warnungen sind ernst
zu nehmen. Viele Suizidopfer hinterlassen Abschiedsbriefe, in denen sie
ihre Tat begründen, oder deuten bei Freunden und Verwandten ihre
Absichten an. Besteht der Verdacht einer Suizidalität, sollte dieser in der
Regel offen angesprochen werden.

Menschen, die einen Suizid begehen wollen, finden meist niemanden mit
dem sie über diese Gedanken sprechen können. Ein zentraler Punkt der
Prophylaxe besteht aber genau darin, Menschen zu helfen über ihre
Probleme und Suizidgedanken zu reden, um nicht in eine noch stärkere
Isolation zu geraten. Aus diesem Gedanken heraus entstand in den 1950er
Jahren die Telefonseelsorge als Einrichtung der Suizidprävention.

Personen, die einen Suizidversuch durchgeführt haben, werden in der
Regel wegen ihrer Verletzungen oder Vergiftungen in ein Krankenhaus
eingewiesen. Meist werden sie dort nach der körperlichen Genesung auf
einer geschlossenen psychiatrischen Station überwacht, bis sie glaubhaft
machen können, dass keine Suizidgefährdung mehr besteht.

Betont ein Patient, auch weiterhin einen Suizid begehen zu wollen, wird er
in eine Psychiatrie zwangseingewiesen. Diese Praxis wird von einigen
kritisiert, weil sie das Recht auf einen selbstbestimmten Tod unterläuft und
weil der Erfolg einer Zwangsbehandlung angezweifelt wird. Befürworter
weisen darauf hin, dass bei suizidalen Patienten sehr häufig eine
behandlungsbedürftige Depression vorliegt und von "selbstbestimmtem
Tod" dann keine Rede sein könne.

Eine wirksame Suizidprävention scheint auch eine Aufklärung über die
Depression zu sein. Was man damit erreichen kann, zeigt beispielsweise
das "Nürnberger Bündnis gegen Depression". Dort wurden Ärzte, Lehrer
und Pfarrer weitergebildet, Kinospots geschaltet und Aktionstage zum
Thema Depression organisiert. Die Zahl der Selbsttötungen in Nürnberg
ging um 25% zurück, da zugleich ein analoger Rückgang jedoch auch in
der Kontrollregion Würzburg zu beobachten war, bleibt der
wissenschaftliche Nachweis dieses Effektes noch offen.

Der österreichische Psychologe Erwin Ringel untersuchte Methoden,
Suizide zu verhindern, und gründete 1948 das erste
"Selbstmordverhütungszentrum".

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) bietet wichtige
Hintergrundinformationen zum gesamten Themenfeld Suizid: Prävention,
Forschung, Praxishinweise, Literatur, Hilfeeinrichtungen usw..

Im Dezember 2002 gründete die Deutsche Gesellschaft für
Suizidprävention eine Initiativgruppe für ein Nationales
Suizidpräventionsprogramm für Deutschland. Im Rahmen dieser
Initiativgruppe arbeiten mittlerweile über 70 Organisationen und fast 200
Experten mit. Die Initiative versteht Suizidprävention nicht allein als eine
gesundheitspolitische, sondern besonders auch als eine gesellschaftliche
Aufgabe.
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Suizid in Moral und Theologie

Die Frage der moralischen Zulässigkeit des Suizids wird kulturell sehr
unterschiedlich betrachtet. Während westliche Gesellschaften den Suizid
lange Zeit als unmoralisch und entehrend betrachteten, galt er in anderen
Gesellschaften gerade als Methode, eine verlorene Ehre
wiederherzustellen. (siehe hierzu z.B. Seppuku)

Ansichten zum Suizid in der Antike
Der griechische Philosoph Hegesias (3. Jahrhundert v. Chr.) betonte in
seinen Vorträgen das Elend der menschlichen Existenz. Er schrieb dem
Einzelnen das Recht zu, sich umzubringen. Das menschliche Leben hätte
an sich keinen besonderen moralischen Wert.

Zu Zeiten des römisches Kaiserreichs galt es als ehrenvoll, sich in
ausweglosen Situationen ins Schwert zu stürzen (siehe Varus, Nero).

Ansichten zum Suizid im Christentum

Die christliche Lehre bezog lange Zeit keine eindeutige Stellung zum
Suizid. Der Kirchenvater Augustinus (354–430) verurteilte als erster in
seinem Werk "De civit
te Dei" den Suizid als Übel. Später verurteilte die
Kirche den Suizid als Selbstmord kategorisch als Sünde. Lange Zeit
verweigerte die Kirche Suizidopfern die Bestattung in "geheiligter Erde" auf
Friedhöfen und ein kirchliches Begräbnis.

Ein wichtiges Argument des Katholizismus gegen Suizid ist, dass das Leben
an sich Gott gehört und so die Herrschaft Gottes verletzt werden würde.
Ein berühmtes Gegenargument brachte David Hume, der anmerkte, dass
es auch falsch sein müsse, einen natürlichen Tod hinauszuzögern, wenn es
falsch ist, das natürliche Leben zu beenden, da dies Gottes Wille
widersprechen würde.

Eine andere Begründung ist die Heiligkeit des menschlichen Lebens, so
dass jegliches Leben einzigartig ist und alle Anstrengungen unternommen
werden müssen, es zu schützen.

Demgegenüber verwies Paul Moor in "Die Zeit", Ausgabe 19/1969, darauf,
dass die Bibel Selbstmord nicht ausdrücklich verurteile, wie die Beispiel
von Saul (1.Samuel 31,4), Abimelech (Richter 9,54) oder Samson /
Simson (Richter 16,30) zeigten; wirklich zutreffend ist dies allerdings nur
für das letztgenannte Beispiel. Demgegenüber erscheint der Selbstmord
des Judas Ischarioth (Matthäus 27,5) in negativem Licht.

Ansichten zum Suizid im Islam
Im Islam ist Suizid ebenfalls verboten, einigen Hadith zufolge wird
Menschen, die sich töten, die Aufnahme ins Paradies verweigert, und es
droht ihnen ein ewiges Höllenfeuer.

In jüngster Zeit jedoch rekrutieren extremistische islamistische
Organisationen Selbstmordattentäter oftmals mit dem Hinweis, dass ein
Suizid, der die "Feinde des Glaubens" ins Verderben reißt, mithin eine
erweiterte Selbsttötung, auf direktem Weg ins Paradies führe.

Ansichten zum Suizid im Buddhismus
Im Buddhismus ist der Suizid zwar nicht verboten oder geächtet, aber aus
dem Verständnis des Reinkarnations-Glaubens heraus unsinnig, da davon
ausgegangen wird, dass man in genau die gleichen Qualen neu
hineingeboren wird, aus denen man mit dem Suizid fliehen wollte.

Werden beispielsweise hilflose Kinder zurück gelassen, wird man als noch
schlimmeres Wesen oder in ein noch schlimmeres Schicksal
hineingeboren. Die Beihilfe zum Suizid ist eindeutig verwerflich und führt
unweigerlich zu schlechtem Karma mit all seinen Folgen.

Ansichten zum Suizid in der westlichen Gesellschaft
Bei alten oder schwerkranken Menschen sind Suizidgedanken oft
verständlich. Das Recht, einen unabwendbaren langen Leidensprozess
abzukürzen, wird in verschiedenen Ländern durch die Gesetzgebung
unterschiedlich unterstützt. Dies erregte in einigen Ländern eine Debatte
um die gesetzliche Zulässigkeit aktiver und passiver Sterbehilfe.

Ansichten zum Suizid in anderen Kulturen
In anderen Kulturen kann die rituelle Selbsttötung gesellschaftlich
akzeptiert sein. Zu nennen wären hier das japanische Seppuku oder das
indische Sati. Auch bei den Maya in ihrer klassischen Periode war die
Göttin Ixthab für diejenigen Krieger zuständig, die nach dem Verlust ihrer
Ehre von ihr mit einem Seil in einen der dreizehn Himmel gezogen werden.
Schwieriger zu beurteilen ist die Rolle des Suizides bei den Suruahá im
Amazonas-Gebiet. Cunahá, ein Gift zum Töten von Fischen, das aus
bestimmten Lianenwurzeln gewonnen wird, nehmen die
Stammesmitglieder auch irgendwann nach dem 12. Lebensjahr zu sich, zu
schamanistischen Zwecken. Dies endet dann tödlich, wenn die Wurzel nicht
schnell genug wieder ausgespieen wird. Es gibt auf der anderen Seite kein
Wort für "Suizid" bei den Suruahá.

In Japan gibt es den Fachausdruck Karoshi für einen "Selbstmord" durch
Überarbeitung und Kamikaze für das soldatische Selbstmordattentat der
Kampfflieger im 2. Weltkrieg.

Forschungsgeschichte
Der Soziologe Emile Durkheim hat 1897 mit seinem Werk über den Suizid
(Le suicide) die sozialen Zusammenhänge der Selbsttötung auf
empirischer Grundlage analysiert. Er unterscheidet zwischen dem
egoistischen, dem altruistischen und dem anomischen Suizid. In jedem
Falle ist nach Durkheim eine soziale Desintegration eigentliche Ursache.

Suizid und Sternzeichen
In der astrologischen Literatur wird Menschen mit den Sternzeichen Krebs
und Stier, insbesondere aber Fische eine Neigung zu Depressionen, bis hin
zur Todessehnsucht zugeschrieben, Waagen und Schützen hingegen ein
positiveres Weltbild und eine Abneigung gegenüber Gewalt. Eine
empirische Studie des IMWA-Institutes, München im Auftrag von Gunter
Sachs konnte die erwarteten Unterschiede in der Suizidstatistik mit
methodisch einwandfrei und signifikant untermauern.

Juristische Bewertung
Strafrecht
Der Suizid ist in Deutschland straffrei, zumal eine Bestrafung wegen
vollendeter Selbsttötung nie möglich wäre. Somit sind auch der Versuch
und die Teilnahme (Beihilfe, Anstiftung) grundsätzlich straffrei.

In Großbritannien und Nordirland war der Suizid bis 1961 eine Straftat, in
den USA in zwei Staaten sogar bis in die 1990er. Die "Anstiftung" eines
Schuldunfähigen oder die "Anstiftung" mittels einer Täuschung kann jedoch
zur Tötung in mittelbarer Täterschaft (§ 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB) führen:
Haupttäter des Tötungsdeliktes ist dann der Einfluss nehmende
Hintermann, da er das Geschehen durch sein Verhalten maßgeblich
beherrscht. Wer aufgrund seiner Garantenstellung verpflichtet ist (z.B.
Angehörige, Ärzte etc.), eine Selbsttötung zu verhindern, kann bestraft
werden, wenn er die Handlung unterlässt, zu der er rechtlich verpflichtet
ist. Der Gehilfe kann, wenn er, nachdem der Täter die Tatherrschaft
verloren hat (z. B. weil er bewusstlos, aber noch nicht tot ist), keine Hilfe
leistet, ebenfalls wegen Unterlassen der Hilfeleistung nach § 323c StGB
bestraft werden, da der Suizidversuch einen Unglücksfall im Sinne des §
323c StGB darstellt.

Allerdings kann die allgemeine Hilfeleistungspflicht in Konkurrenz zu einer
bestehenden Patientenverfügung stehen. Dann könnte aus einer
(ärztlichen) Versorgung des Suizidanten die Frage nach gefährlicher
Körperverletzung entstehen, da sich diese dann nicht durch einen
rechtfertigenden Notstand und die Geschäftsführung ohne Auftrag decken
lassen. (Siehe auch: Arzthaftungsrecht)

In der Praxis werden im Falle eines Suizides jedoch in aller Regel soweit
noch möglich durch den Rettungsdienst sämtliche lebensrettenden
Maßnahmen durchgeführt, da die Authentizität einer Patientenverfügung in
der gebotenen Eile kaum geprüft werden kann.

Haftungsrecht
Relevant, gerade bei Suizidversuchen, kann auch die Frage der Haftung
für entstandene Schäden sein. Ein Suizid kann unter Umständen erhebliche
Sachschäden verursachen, aber auch seelische Schäden bei unbeteiligten
Dritten, die zur Durchführung der Tat missbraucht wurden (z.B.
Fahrpersonal der Bahn). Umstritten ist die Frage, inwieweit einem
Suizidant der Schaden zugerechnet werden kann: Einige Autoren nehmen
an, dass er sich in einem "geistig umnachteten" Zustand befände, wodurch
sich eine Schuldfähigkeit nicht ergebe. Allerdings ist diese Annahme
sicherlich nicht immer gerechtfertigt und muss im Einzelfall durch
Gutachten geprüft werden.

Versicherungsrecht
Ein Suizid kann unter Umständen der Auszahlung der Lebensversicherung
entgegenstehen. Die Todesursache spielt grundsätzlich keine Rolle, jedoch
die Nähe des Todeszeitpunkts zum Vertragsabschluss. Es kommt zu
anteiligen Auszahlungen, wenn der Suizid innerhalb einer Frist von 3
Jahren nach Zahlung des Einlösungsbetrages oder seit Wiederherstellung
der Versicherung geschieht.

Es ist davon auszugehen, dass Versicherungen sich hierdurch gegenüber
Personen absichern möchten, deren Selbsttötungsabsicht sowieso bereits
feststeht, und sie nur für finanziellen Unterhalt möglicher Hinterbliebener
sorgen wollen.
Quelle: http://www.versicherungsnetz.de/Onlinelexikon/Selbstmord.html
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Suizidversuch

Unter einem Suizidversuch, versteht man den Versuch, durch Suizid das eigene Leben zu beenden.

Definition
In der Literatur wird der Suizidversuch unterschiedlich definiert:

Jeder versuchte Suizid, der nicht tödlich endete, ist ein Suizidversuch
Eine Handlung, die den Eindruck erwecken sollte, ein Suizid sein zu
können, jedoch nicht mit Selbstötungsabsicht vorgenommen wurde, ist ein
Suizidversuch.
Beide Definitionen treffen für sich den Kern nicht vollständig: So gibt es
Suizide, die eigentlich als Suizidversuch geplant waren, jedoch mißlangen
und tödlich enden.

Bedeutung
Ausgehend von der zweiten Definition wird der Suizidversuch häufig als
Hilfeschrei interpretiert. Der Suizidant möchte durch seine Handlung auf
eine von ihm als ausweglos erlebte Situation hinweisen und Hilfe
anfordern.

In diesen Fällen ist eine - womöglich zeitweise stationäre -
Krisenintervention indiziert und kann Hilfe versprechen. Typischer Weise
wird mit den Betroffenen ein Lebensvertrag geschlossen, in dem sie sich
verpflichten, für die Dauer der Behandlung keine weiteren Versuche zu
unternehmen.

Allerdings kann der Suizidversuch auch als Druckmittel mißbraucht
werden: Es gibt zahlreiche Fälle, in denen eine suizidale Person Dritte mit
der Drohung, sich andernfalls zu suizidieren, zu Handlungen nötigt. Ein
solches Verhalten kann teilweise langjährig erprobt sein: Es gibt Fälle, in
denen bereits die Eheschließung unter Suizidandrohung erfolgte und die
gesamte weitere Beziehung unter der Erpressung durch die Suizidalität
stand.

Gerade in solchen Fällen kommt es häufig zum akzidentiellen Suizid, da
der Bedrohte die Drohung nicht (mehr) ernst nimmt und daher
nachvollziehbar keine geeigneten Gegenmaßnahmen ergreift.

Dadurch entsteht dann eine perfide psychische Situation beim Bedrohten:
Einerseits litt er typischer Weise jahrelang unter der dauernden Bedrohung
und Angst und hat daher einen großen Aufwand getrieben, um den Suizid
zu erschweren und zu verhindern, andererseits hat er in diesem Moment
die Drohung nicht ernst genug genommen und fühlt sich an dem Tod
schuldig, weil er weiß oder ahnt, daß dieser zu verhindern gewesen wäre.

Mittel
Suizidversuche werden häufig mit untauglichen Mitteln verübt. Beliebt sind
gerade bei jungen Frauen und Mädchen die Verwendung von Schlafmitteln
und anderer Medikamente, die bei rechtzeitigen Auffinden medizinisch
problemlos sind. Allerdings ist es problemlos möglich, die Situation so zu
gestalten, dass das Auffinden nicht mehr "rechtzeitig" erfolgt (24 Stunden
sind in der Regel genug), so dass der Versuch in wünschenswerter Weise
gelingen kann.
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Zitate

Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord.
Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht,
heißt auf die Grundfrage der Philosophie antworten. Alles andere – ob die
Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien hat –
kommt später. Das sind Spielereien; erst muss man antworten. – Albert
Camus (Der Mythos des Sisyphos, ISBN 3499227657, S. 11)
Derjenige, der sich heute in einem Anfall von Melancholie tötet, würde sich
gewünscht haben zu leben, wenn er nur eine Woche gewartet hätte -
Voltaire
Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben.
Dieses Leben ist unerträglich, ein anderes unerreichbar. - Franz Kafka
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Literatur und Quellen

*Jean Amery: Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod, Stuttgart:
Klett-Cotta. 1. Aufl. 1976 [damals Ernst-Klett-Verlag, Edition Alpha].
*J.C. Arnold: CRASH - Erlebnisse vom Absturz - Ein gratis E-Book (religiös
motiviert)
*Ursula Baumann: Vom Recht auf den eigenen Tod. Die Geschichte des
Suizids vom 18. bis zum 20. Jahrhundert ISBN 3740011807
*Emile Durkheim: Der Selbstmord ISBN 3518280317
*Claude Guillon / Yves LeBonniec: Gebrauchsanleitung zum Selbstmord.
Eine Streitschrift für das Recht auf einen frei bestimmten Tod.
Robinson-Verlag, Frankfurt/Main 1982. ISBN 3-88592-032-8
*Stone, Geo: Suicide and Attempted Suicide: Methods and Consequences.
New York: Carroll & Graf, 2001. ISBN 0-7867-0940-5
*Erwin Ringel (Hg.): Selbstmordverhütung ISBN 3-88074-224-3
*Elmar Etzersdorfer, Georg Fiedler, Michael Witte (Hg.): Neue Medien und
Suizidalität - Gefahren und Interventionsmöglichkeiten, Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-46175-5
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